Schweizer Unternehmen werden durch unser Konsumverhalten seit längerem animiert, ihre Anstrengungen im Bereich Menschenrechte und Umweltschutz zu verstärken. Wir wollen wissen, woher der Akku unseres E-Bikes kommt und unter welchen Umständen dieser produziert wurde. Kein Unternehmen kann es sich heute leisten, Menschenrechte und Umweltschutz zu negieren – im Gegenteil: verantwortungsvolle Unternehmen haben einen Konkurrenzvorteil gegenüber Mitbewerbern, die diesen Forderungen nicht nachkommen. Schweizer Unternehmen tun bereits viel, um die berechtigten Ansprüche von uns Konsumenten zu erfüllen. Sie verbessern sich laufend, lernen stetig dazu und geben Schweizer Werte an Geschäftspartner auf der ganzen Welt weiter. Nur: eine sofortige und komplette Kontrolle der ganzen Lieferkette, wie sie die Unternehmens-Verantwortungs-Initiative fordert, ist in etwa so illusorisch, wie die Infektionskette des Corona-Virus zurückzuverfolgen. 

Und wenn schon ein kleines, technisch fortschrittliches und mit grossen finanziellen und politischen Möglichkeiten ausgestattetes Land wie die Schweiz es nicht schafft, ein zufriedenstellendes Contact-Tracing aufzubauen: wie sollen das unsere Unternehmen mit ihren globalen Lieferketten bewerkstelligen?

Schwierige Rückverfolgbarkeit

Bund und Kantone versuchen seit längerem ein funktionierendes Contact-Tracing in der Schweiz aufzubauen. Auch mit grössten Anstrengungen sind wir heute nicht dort, wo wir sein möchten und sollten. Bekanntlich schaffen es die klügsten Köpfe unseres Landes nicht – auch nicht mit grossen finanziellen Mitteln – die Rückverfolgbarkeit zufriedenstellend zu gewährleisten. Die SwissCovid App läuft beispielsweise immer noch nicht auf allen Geräten. Und die EU setzt auf eine andere Technologie, hat andere Gesetze. Ein grenzüberschreitendes Contact-Tracing ist nur schon innerhalb Europas eine enorme Herausforderung, ganz zu schweigen von einem globalen Contact-Tracing.

Grosser bürokratischer Aufwand

Technische Probleme und nationale Alleingänge sind nur zwei Hindernisse auf dem Weg zur Rückverfolgbarkeit der Infektionsketten. Menschen schätzen auch ihre Privatsphäre und sind nur widerwillig bereit, ihre Kontaktdaten bei einem Restaurant- oder Kinobesuch anzugeben – oder geben dann halt falsche Angaben an. Das muss überwacht und kontrolliert werden. Die Kantone sammeln Informationen, sprechen sich mit anderen Kantonen ab, kontaktieren Infizierte und deren Umfeld, setzen diese in Quarantäne, kontrollieren, begleiten usw. Das braucht Geld und Personal. Geld und Personal, das nicht nur kleinen Kantonen fehlt.

Wenn Sie nun der Meinung sind, die Analogie gehe nicht auf, haben Sie womöglich Recht, denn Bund und Kantone werden nicht bestraft für ihre Verfehlungen.

Illusorische Überwachung der ganzen Lieferkette

Ähnliches fordern die Initianten der Unternehmensverantwortungsinitiative für Schweizer Unternehmen: eine komplette Kontrolle der ganzen Lieferkette, über alle Staatsgrenzen hinweg. Wie das Contact-Tracing, erfordert ein solches «Produkt-Tracing» entsprechend geschultes Personal, grosse finanzielle Mittel, technische Innovation, Koordinierung mit anderen Staaten, Überwachung der Lieferanten usw. Die Parallelen sind frappant. Und wenn schon ein kleines, technisch fortschrittliches und mit grossen finanziellen und politischen Möglichkeiten ausgestattetes Land wie die Schweiz es nicht schafft, ein zufriedenstellendes Contact-Tracing aufzubauen: wie sollen das unsere Unternehmen mit ihren globalen Lieferketten bewerkstelligen? Wenn Sie nun der Meinung sind, die Analogie gehe nicht auf, haben Sie womöglich Recht, denn Bund und Kantone werden nicht bestraft für ihre Verfehlungen. Hingegen sollen kleine und grosse Schweizer Unternehmen nur schon dann bestraft werden, wenn ein wichtiger aber eigenständiger Lieferant Verfehlungen begeht. Das wäre in etwa so, wie wenn Sie für das Nichtbefolgen der Quarantäne Ihrer Nachbarin bestraft werden – obwohl Sie sich verantwortungsvoll verhalten haben. Die Forderungen der UVI sind berechtigt, aber der Weg ist der Falsche, weil unpraktikabel und nicht fair.

Sagen Sie am 29. November Nein zu den illusorische Forderungen der UVI. 

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